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Internationale und nationale Institutionen, Gremien und Initiativen
Im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelte eine Vielzahl von multinational und global agierenden Organisationen und Institutionen CSR-Strategien in den verschiedensten Bereichen. Den ersten Statements und Diskussionen folgten alsbald Vorschläge, wie CSR am besten umgesetzt werden könnte. Die Europäische Kommission und das Parlament veröffentlichten Grundsatzpapiere, die OECD formulierte Leitsätze für multinationale Unternehmungen, die UNO entwickelte unverbindliche Verhaltensregeln für Unternehmen und verschiedenste NGOs engagierten sich immer massiver im CSR-Bereich und schufen Gütesiegel und Indizes, die zeigen, inwieweit Unternehmen ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht werden.
CSR in der Europäischen Union
- Position der Europäischen Kommission
Bereits 2001 wies die Europäische Kommission im Kontext der Lissabon Strategie auf die soziale Verantwortung von Unternehmen hin. Die Kommission wollte mit dem Grünbuch „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen" (KOM (2001) 366) eine Diskussion über das CSR-Konzept initiieren und eine Partnerschaft für die Entwicklung eines Europäischen Rahmens zur Förderung der sozialen Verantwortung von Unternehmen aufbauen. Damals definierte die Europäische Kommission CSR folgendermaßen: „Die CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren." (Grünbuch der Kommission „Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen", 2001, KOM(2001) 366 endg.)
Diese Definition macht deutlich, dass:
- CSR soziale Belange und Umweltbelange umfasst, obwohl der englische Ausdruck „corporate social responsibility" lautet,
- CSR von der Geschäfts- und Unternehmenstätigkeit nicht zu trennen ist, denn es geht gerade darum, soziale Belange und Umweltbelange in die Geschäfts- und Unternehmenstätigkeit zu integrieren,
- CSR auf Freiwilligkeit beruht,
- ein wichtiger Aspekt der CSR die Wechselbeziehungen zwischen den Unternehmen und ihren internen und externen Stakeholdern (ArbeitnehmerInnen, Kundinnen und Kunden, Nachbarn, nichtstaatliche Organisationen, Behörden usw.) sind.
Die Kommission möchte Europa auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend machen. In einem Strategiepapier heißt es:
„Europa braucht ein allgemeines Klima, in dem Unternehmer nicht nur geachtet werden, weil sie gute Gewinne erzielen, sondern weil sie einen fairen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten" (KOM (2006) 136 endg.).
Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt sie weitere Maßnahmen vor. Zunächst soll die politische Sichtbarkeit von CSR verstärkt werden, indem das Konzept an die wiederbelebte Lissabon-Strategie der Partnerschaft für Wachstum und Beschäftigung gekoppelt wird. Mit dieser Verknüpfung möchte die Kommission ein günstigeres Umfeld für alle CSR-Akteurinnen und -Akteure schaffen und gemeinsam mit allen Interessierten das Potential der sozialen Verantwortung der Unternehmen im Hinblick auf die Entwicklung Europäischer Aktiengesellschaften ausloten. Die Kommission verfolgt demnach folgende Ziele:
- Sensibilisierung und Förderung des Austauschs bewährter Verfahren,
- weitere Förderung der CSR-Forschung,
- Förderung von CSR in den KMU,
- Integration von CSR in die Sozial-, Beschäftigungs-, Umwelt-, Industrie- und VerbraucherInnenpolitik,
- Berücksichtigung von CSR in der Handels- und Entwicklungspolitik,
- Einbeziehung von CSR in Fortbildung und Entwicklung,
- Förderung der Bewusstseinsbildung und Umsetzung der OECD-Leitlinien.
- Position des Parlaments
Das Europäische Parlament hat im Frühjahr 2008 einen neuen Bericht zu CSR verabschiedet, mit dem es auf ein Strategiepapier der Kommission reagiert. Dieser Parlamentsbericht, der von dem britischen Labour-Abgeordneten Richard Howitt vorbereitet worden war („Howitt Bericht" zu CSR), folgt der Kommission in ihrer Definition der CSR: sie sei „die freiwillige Integration von Umwelt- und Sozialaspekten in Unternehmensabläufe, zusätzlich zu rechtlichen Anforderungen und vertraglichen Verpflichtungen".
Das Europaparlament betont jedoch, dass CSR kein Ersatz für verbindliche rechtliche Regelungen sein können und auch nicht Regulierung durch die Hintertür bedeuten dürfe. Der parlamentarische Berichterstatter Howitt kritisierte in diesem Zusammenhang den „Anything-goes-Ansatz" der Kommission und unterstrich, dass CSR nur mit internationalen Standards und unabhängiger Überprüfung funktionieren könne. CSR sei nur dann glaubwürdig, wenn gewährleistet sei, dass die nationalen und internationalen Gesetze und Normen eingehalten werden, so die Position des Europaparlaments. Die EU-Abgeordneten verweisen dabei unter anderem auf die arbeitsrechtlichen Normen der Internationalen Arbeitsorganisation.
Die EU-Abgeordneten sind der Auffassung, dass die Diskussion über CSR in der EU „den Punkt erreicht hat, an dem der Akzent von den ‚Prozessen' hin zu den Ergebnissen verschoben werden" sollte und „zu einem messbaren Beitrag zur Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung und der Umweltzerstörung" führen müsse.
Die verabschiedete Parlamentsresolution unterstreicht, dass sich echte CSR auf die gesamte Produktionskette beziehen muss und fordert die Kommission auf, einen Kriterienkatalog zu entwickeln, den Unternehmen beachten sollten, wenn sie sich als „gesellschaftlich verantwortliches Unternehmen" bezeichnen wollen.
Das Europaparlament betont außerdem die Rolle der gesellschaftlichen Gruppen, die einbezogen werden müssten, um CSR glaubwürdig fortzuentwickeln, und zeigt sich daher darüber besorgt, dass sich „einige der wichtigsten Beteiligten" sich kritisch über die „Transparenz und Ausgewogenheit" der jüngsten Konsultationen zum Thema CSR durch die Kommission äußerten. (vgl. Artikel „CSR: Freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft und ihre Grenzen" - http://www.europarl.europa.eu)
Für Berichterstatter Howitt ist klar, dass die Freiwilligkeit Grenzen hat. Man solle nicht erwarten, dass die Wirtschaft von sich aus allen Herausforderungen der Gegenwart gerecht werden würde. Auch deshalb dringen die EU-ParlamentarierInnen darauf, dass für von europäischen Unternehmen Geschädigte bessere Möglichkeiten geschaffen werden, damit diese ihre Recht vor europäischen Gerichten geltend machen können, selbst wenn sie sich außerhalb der EU befinden.
„Global Compact“ und die „Global Reporting Initiative“
- Global Compact
Am 31. Jänner 1999 stellte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan „Global Compact" als CSR-Projekt der UNO vor. Der Global Compact ist eine freiwillige Initiative, die auf der „Universal Declaration of Human Rights", den „Fundamental Principles and Rights at Work" und den „Rio Principles on Environment and Development" beruht und die Unternehmen auffordert, ihre Handlungen nach diesen Grundprinzipien zu richten. Der Global Compact ist weder ein ordnungspolitisches Instrument noch ein Verhaltenskodex, sondern eine wertorientierte Plattform, deren Ziel die Förderung institutionellen Lernens ist. Sie soll Transparenz und einen Dialog schaffen, um „Good Practices", das heißt bewährte Verhaltensweisen, die sich auf weltweit gültige Grundprinzipien stützen, aufzuzeigen und zu verbreiten. Der Pakt umfasst die folgenden zehn Prinzipien:
- Menschenrechte
Prinzip 1: Unterstützung und Respektierung der internationalen Menschenrechte im eigenen Einflussbereich
Prinzip 2: Sicherstellung, dass sich das eigene Unternehmen nicht an Menschenrechtsverletzungen beteiligt - Arbeitsnormen
Prinzip 3: Wahrung der Vereinigungsfreiheit und wirksame Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen
Prinzip 4: Abschaffung jeder Art von Zwangsarbeit
Prinzip 5: Abschaffung der Kinderarbeit
Prinzip 6: Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung und Beschäftigung - Umweltschutz
Prinzip 7: Unterstützung eines vorsorgenden Ansatzes im Umgang mit Umweltproblemen
Prinzip 8: Ergreifung von Schritten zur Förderung einer größeren Verantwortung gegenüber der Umwelt
Prinzip 9: Hinwirkung auf die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien - Korruptionsbekämpfung
Prinzip 10: Selbstverpflichtung, Korruption in allen Formen, einschließlich Erpressung und Bestechlichkeit, zu begegnen.
Um am Global Compact teilnehmen zu können, muss sich eine Organisation schriftlich an den UN-Generalsekretär wenden und hierbei zum Ausdruck bringen, sich als öffentlicher Fürsprecher des Global Compact und seiner zehn Prinzipien engagieren zu wollen. Von den beteiligten Unternehmen wird erwartet, dass sie regelmäßig - mindestens alle zwei Jahre - in ihren unternehmenseigenen Corporate Social Responsibility- bzw. Nachhaltigkeitsberichten über die von ihnen ergriffenen konkreten Maßnahmen zur Verwirklichung der zehn Prinzipien und die daraus gezogenen Lehren berichten. Im Laufe der Zeit sollen die bereitgestellten Informationen zusammen mit ergänzenden Fallstudien im Auftrag des Global Compact Büros als Grundlage für eine umfassende Lerndatenbank dienen. Hat ein Unternehmen diese Bereitschaftserklärung abgegeben darf, es das UNO Global Compact - Logo verwenden.
Der Global Compact muss sich jedoch auch Kritik gefallen lassen. Einige NGOs kritisieren, dass die Teilnahme zu einfach sei und die Standards auf Papieren beruhen, die allgemeinen Konsens bilden und daher ohnehin Teil der nationalen Rechtssprechungen sind. Die Unternehmen müssten ebenfalls keine Sanktionen oder Kontrollen befürchten und könnten somit ihre Aktivitäten leicht als UN-konform anführen. Amnesty International meint dazu, dass viele TrittbrettfahrerInnen die wertvolle Marke UN ohne eigentliche Verpflichtung nutzen können und dadurch auch jene in Verruf bringen, die ihr CSR - Engagement ernst nehmen.
- Global Reporting Initiative
Die Vision der "Global Reporting Initiative" ist, dass Berichte über ökonomische und soziale Leistungen von Unternehmen genau so selbstverständlich sind, wie die jährlichen Berichte über die finanzielle Situation.
Durch die Veröffentlichung spezifischer Richtlinien zum nachhaltigen Berichtswesen gab die Global Reporting Initiative den Unternehmen eine Anleitung, wie über CSR - Aktvitäten am besten berichtet werden kann. Diese Richtlinien geben den Anspruchsberechtigten (Stakeholder) einen besseren Überblick über die sozialen und ökologischen Einstellungen und Leistungen von Unternehmen sowie die Möglichkeit, die unterschiedlichen Initiativen zu vergleichen.
OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sind Empfehlungen der Regierungen der OECD-Länder an die von ihren Ländern aus operierenden multinationalen Konzerne. Diese Grundprinzipien sollen einen Rahmen für soziales und verantwortungsvolles Handeln bilden, der einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Atmosphäre zwischen Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmern, Regierungen und der Wirtschaft leistet. Die Leitsätze wurden unter Einbindung aller Interessensgruppen formuliert und decken die Felder Arbeitsbeziehungen, Bekämpfung von Korruption, Umweltschutz, VerbraucherInneninteressen, Wissenschaft und Technologie, Wettbewerb und Besteuerung ab.
Internationale CSR-Plattformen
- Ethics World: Unabhängiges Non-Profit- Forum, gegründet, um einen Beitrag zur Stärkung der ethnischen Dimension im CSR Bereich zu leisten.
- World Business Council for Sustainable Development: Eine globale Vereinigung von mehr als 200 Unternehmen, um nachhaltige Entwicklung im Unternehmensbereich zu stärken.
- CSR-Europe: CSR-Europe ist ein großes CSR-Netzwerk zur Vernetzung von Unternehmungen, die sich im Bereich CSR informieren, engagieren und vernetzen wollen. CSR-Europe hat über 70 multinationale Unternehmen als Mitglieder und 25 nationale Partnerorganisationen.
- CSR-Wire: Die führende Nachrichtenplattform im CSR-Bereich.
- International Finance Corporation: Unterstützt nachhaltige private Investitionen in Entwicklungsländern.
Links:
-
Europäische Kommission -
Europäische Kommission - Grünbuch zu CSR -
Europäisches Parlament -
Europäisches Parlament - Resolution zu CSR -
Global Compact -
Global Reporting Initiative -
OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen -
Internationale CSR Konferenz 2008 -
Unternehmen in Verantwortung - Ein Gewinn für alle -
DNWE Jahrestagung 2008
Nationale Initiativen
- NeSoVe - Netwerk Soziale Verantwortung
Das „Netzwerk Soziale Verantwortung" steht für die Förderung, Weiterentwicklung und Beobachtung der sozialen Verantwortung von Unternehmen im Sinne der von Unternehmenspolitik betroffenen Interessengruppen (Stakeholder). Es versteht soziale Verantwortung von Unternehmen als transparente, sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige und diskriminierungsfreie Unternehmensführung, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und betroffene Interessengruppen an Auswahl, Implementierung und Kontrolle von Corporate Social Responsibility-Maßnahmen beteiligt. Der Zusammenschluss von Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen und NGOs in NeSoVe schafft eine Informations- und Kommunikationsdrehscheibe, die neue Wege bei der Unterstützung, Begleitung und Organisation von Monitoring von Unternehmensaktivitäten sowie bei der Entwicklung und Umsetzung von Projektideen gehen kann, um eine breite Sensibilisierung für die Thematik zu erreichen und von der politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Ebene ihre jeweiligen Verantwortlichkeiten einzufordern.
- respACT - austrian business council for sustainable development
„respACT" ist die führende Unternehmensplattform für CSR und nachhaltige Entwicklung in Österreich. Der Verein entstand im Oktober 2007 aus der Zusammenführung der beiden Organisationen Austrian Business Council for Sustainable Development (ABCSD) und respACT austria. Der Begriff respACT steht für „responsible action" und bezeichnet das gesellschaftlich verantwortliche Handeln von Unternehmen. Dieses Handeln betrifft die Bereiche Arbeitsplatz, Markt, Umwelt und Gesellschaft im unmittelbaren Handlungsumfeld des Unternehmens. respACT spricht Unternehmen aller Betriebsgrößen mit Sitz in Österreich an- vom Kleinbetrieb bis hin zum Großkonzern.
respACT unterstützt die Mitgliedsunternehmen dabei, ökologische und soziale Ziele ökonomisch und eigenverantwortlich zu erreichen. Die Mitglieder bekennen sich zu CSR und nachhaltiger Entwicklung und richten ihre Unternehmenspolitik danach aus. Wirtschaftlicher Erfolg sowie soziale und ökologische Verantwortung werden als untrennbar miteinander verbunden verstanden. Die Mitgliedsunternehmen versuchen am Markt und gegenüber Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verantwortungsvoll zu handeln, Gesellschaft und Umwelt. CSR wird nicht als Public Relations-Instrument, sondern als Managementprinzip mit dem Wertesystem der nachhaltigen Entwicklung angesehen.
respACT legt das Hauptaugenmerk auf:
- Konzepte und Projekte zu CSR und Nachhaltigkeit
- Erfahrungsaustausch
- den Dialog mit Politik, Bevölkerung und Medien
- die Information der Öffentlichkeit über erfolgreiche Nachhaltigkeits-/CSR-Projekte von Unternehmen.
- weiters gibt es für Mitgliedsunternehmen spezielle Serviceleistungen.
Südwind setzt sich als entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation seit über 25 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, für Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit ein.






